Jetzt mal ehrlich, gäbe es einen Preis für die größten Vollidioten des Jahres würden Mike und Ich wahrscheinlich nicht nur nominiert werden, sondern direkt den Ehrenpreis für die Kategorie „Aus Fehlern nicht lernend“ erhalten. Denn obwohl uns der Schrecken um Murphys Tod immer noch tief in den Knochen steckte, machten wir uns nach einem Aufenthalt in ‘Burketown’ auf dem Weg über das Roadhouse ‘Hell’s Gate’ nach ‘Borroloola’. Auf der letzten Etappe zwischen dem Restaurant (das selbstverständlich geschlossen war) und unserem Zieldorf lagen 400 km uns sonst Nichts. Weder eine Tankstelle, noch andere Anzeichen für Zivilisation. Dafür aber ‘unsealed Road’, d.i. unbefestigte Fahrbahn, die zwar so breit war wie eine mehrspurige Autobahn, dafür aber eine Bodenkonsistenz wie ein schlechter Waldweg und das Geschwindigkeitshindernis von tausenden Schlaglöchern und Regenrillen aufwies. Bedingt auch durch die Wetseason, die im ‘Northern Territory’ zu alltäglichen, sintflutartigen Regenfällen führt, waren dazu auf der Strecke riesige Wasserlachen zu finden, die eher größeren Teichen bzw. Seen Konkurrenz machten und nicht unhäufig die komplette ‘Straße’ verschluckten. Da wir aber nicht wussten, zu welcher Tiefe unser alter Eco mit seinem Zweiradantrieb solche Pfützen meistern könne (auf der gesamten Strecke sahen wir drei Autos, die allesamt Allradantrieb besaßen) und die Wasserlöcher teilweise fast knietief waren, hatten wir bei dem ersten besonders großen Wasserhindernis eine „grandiose“ Idee.
Wir könnten die Pfütze doch einfach umfahren und uns den Weg durch das Gebüsch schlagen. Wir beiden waren einverstanden damit und so ging es mit vollem Optimismus rein in die Botanik. Wir kamen ungefähr 2 Meter, bis unser Auto -vergraben im Matsch- steckenblieb. Nicht so toll! Ein wenig genervt versuchten wir alles um aus dem Schlamm-assel zu befreien, aber jegliches Ausgraben, aggressives Manövrieren und geschickte Unterlegung der Reifen mit Holz half nichts. So mussten wir uns damit abfinden, dass wir vorübergehend (die Hoffnung blieb) im Outback gefangen waren. Aber unser Optimismus blieb uns treu und auch das ‘Glück der Tüchtigen’ schaute auf eine Sprung vorbei, als schon nach wenigen Minuten ein Einheimischer zusammen mit seinen zwei Hunden auf einem Quad vorbeikam. Der lachte uns erstmal gehörig aus, versprach dann aber Hilfe zu leisten und kam wenige Minuten später mit seinem Geländewagen und Abschleppseil vorbei. (Fragt mich bitte nicht, woher er dies in dieser Einöde hergeholt hat.) Wir legten die Kette an das Hinterteil unseres Wagens und mit Leichtigkeit zog uns unser Retter in der Not aus dem Matsch. Wir konnten weiterfahren, für’s Erste.
Der ‘Ranger’ gab uns dann noch den Tipp, die Wasserlöcher, die nichtmal besonders tief waren, NIEMALS wieder zu umfahren, sondern einfach mittig mit etwas Speed zu durchqueren. Es stellte sich dann auch heraus, dass die Überwindung der Pfütze ungedacht einfach war und wir schworen uns, nie wieder den Weg zu verlassen. Aber dass wir es mit unseren eigenen Prinzipien oft nicht so ernst meinen sollte unserem treuen Leser inzwischen ja bekannt sein, und nachdem wir die nächsten Hindernisse problemlos gemeistert hatten, fanden wir uns etwa anderthalb Stunden später vor einem diesmal besonders eindrucksvollen ‘Strassensee’ wieder, der gut 20×20 Meter groß war.
Wir trauten uns natürlich nicht einfach durchzuheizen und irgendwer rief dann laut aus: ‘Hey, da führt doch ein Weg durch die Wildnis, vielleicht führt unser dieser ja am Wasserloch vorbei. Komm, dass probieren wir mal aus.’ Und ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, wenigstens mal die Tiefe der Megapfütze barfuß zu testen, steckten wir auch schon wieder im Morast fest - abseits des Weges, mutterseelenallein im Nirgendwo und mit einer halben Packung Toast. Wir probierten alles Erdenkliche, um diesem Verhängnis zu entkommen, trugen schweißgebadet Stöcke als Unterlage für die Reifen zusammen, buddelten im Angesicht von Schlangen und unzähligen Insekten dieselbigen aus und manövrierten Zentimeter für Zentimeter Richtung Straße zurück, aber alles vergeblich. Wir steckten fest! Und diesmal richtig in der Sch***e.
In verzweifelter Not und auf Grund des verhinderten Vorankommens (zwei Zentimeter zurück, drei Zentimeter vor), schwand unser Optimismus schnell dahin und auch kleine, unangebrachte Scherze konnten der Situation kaum einen amüsierenden Gehalt verleihen. Wir machten uns schon auf eine Nacht in der absoluten Wildnis bereit, denn ein anderes Auto hatten wir seit dem des rettenden Rangers nicht mehr gesehen und wie sich herausstellen sollten, würden wir an diesem Tag auch keinem anderen Menschen mehr begegnen. Aber wir gaben nicht auf und irgendwie, irgendwie schafften wir es dann Stunden später durch aberwitzige Konstruktionen, kuriose Fahrkünste und erstaunliche Manneskraft doch aus dem Schlamm zu gelangen und wenige Minuten später waren wir zurück auf der erlösenden Straße.
Wir gaben uns erstmal gegenseitig eine ordentliche Backpfeife Rüge für unsere Dummheit und durchquerten dann die Pfütze, die zwar groß, aber überhaupt nicht tief war. Die Euphorie gewann schnell wieder Oberhand und da wir schon nicht aus unseren Fehlern lernten, konnten wir wenigstens laut darüber lachen. Zwar hatten wir durch die beiden Aktionen einiges an Zeit verloren und wir kamen auf der unsealed Road nur schleppend voran, aber irgendwann in der Nacht erreichten wir dann doch unser Ziel in Borroloola, wo wir uns erstmal mit einer leckeren Portion Instandnudeln mit trockenem Toast belohnten. In der Nacht genossen wir dann noch die Gesellschaft eines freilebenden Pferdes, welches unbedacht durch die Straßen lief und unserem kleinen Fest neugierig beiwohnte. Abenteuer pur!

