Fraser Island (Teil 3) - Morgenstund hat Gold im Mund

14. November 2008 19:11

Als wir dann am nächsten Morgen wirklich um halb 7 Uhr aufstehen mussten, war uns dann aber doch nicht mehr zum Lachen zu Mute. Denn Oleg-Bolleck-Roddek oder wie auch immer saß als Halter des Autoschlüssel immerhin am längeren Hebel und war somit der an uns gebundene Chauffeur. Halb verschlafen, ein klein wenig verkatert und obendrein noch hungrig konnten wir dann aber einen wunderschönen Sonnenaufgang am Strand beobachten, der uns für all unsere Bürden entschädigte und uns irgendwie auch richtig fit machte.

Unser erstes Ziel war dann der ‘Indian Head’, ein Felsen ziemlich weit im Norden von Fraser, den wir zu dritt bestiegen. Nur Paulina blieb -wie bei fast allen Aktivitäten- lieber im Auto sitzen und wartete auf uns (wir konnten diese Antriebslosigkeit echt nicht verstehen; selbst wir waren irgendwie “auf Touren” gekommen). Der Aufstieg war zum Glück nicht allzu mühselig und von oben herab hatten wir eine grandiose Aussicht auf die Ostküste, das Hinterland der Sandinsel und weitere Delfine, die wir springend in den tobenden Brandung nahe den Sandbänken erspähten. Also die Delfine sprangen, nicht wir. Wir machten noch einige grandiose Fotos (siehe Fotogallerie), wobei wir uns entgegen der Warnungen weiter auf die Felsvorsprünge trauten, die allerdings einen sehr massiven Eindruck machten.

Auf dem langen Weg zu einem weiteren See mit Flussanschluss, mussten wir uns dann wieder gegenseitig unterhalten, da Paula und der Pole auf Grund ihrer Verschlossenheit nicht viel zum Entertainmentprogramm innerhalb des Autos beisteuerten. Komischerweise redeten sie nicht mal viel miteinander, aber das war nicht unser Problem. Wir hatten unseren Spaß, vor allem nachdem wir uns erfragt hatten, selber mal jeweils einige Kilometer über unkontrollierte Sandküste zu cruisen. Paula büßte dabei allerdings noch mehr Enthusiasmus ein, da sie sich wie eine typische, dem Fahrstil-des-Sohnes-nicht-vertrauende Mutter verhielt und bereits bei kleinsten Dünen panisch aufschreckte. Wir aber ließen uns die Macht über die Motorkraft und das Herrsein über das Gaspedal nicht nehmen und gaben jeweils mächtig Butter.

Am See angekommen, schlug das Wetter leider um und es fing leicht an zu regnen, war aber weiterhin noch angenehm warm. Blöderweise mussten wir auch erfahren, dass der See nur über den Flussweg zu erreichen wäre, aber wir hatten irgendwie keine Lust, etliche Kilometer bei Regen im schon recht kühlen Fluss zu waten und schwimmen. Also kehrten wir zurück zum Auto und machten uns auf den Weg zum Schiffwrack, dass ziemlich zentral an der östlichen Küste Frasers zu finden war. Dieses lag mitten auf dem Strand, völlig vom Rost zerfressen und von unzähligen Touristen belagert. Wir machten die üblichen Fotos und fuhren dann wenige Minuten später wieder weiter Richtung ‘Happy Valley’. Etwas überrascht guckten wir nach unserer Rückkehr auf die Uhr, denn es war gerade mal neun Uhr und normalerweise hätten wir ja noch einige Stunden geschlafen. Wir aber waren nachwievor fit, schlossen uns der Idee Oleg-Bollecks an und machten uns mit ihm auf den Wanderweg Richtung eines weiteren Sees.

Wir ahnten nicht, dass Roddeck-Bolleg ein erfahrener Wanderer war und dass er ein für uns wirklich viel zu schnelles Tempo vorlegte, weshalb wir ihn bald verloren. Dann wanderten wir mal wieder (wie schon im ‘Cooloola National Park’) - unerwartet lange und größtenteils durch tiefen Sand, was den ganzen Weg noch wesentlich erschwerte. Aber wir hielten uns durch gegenseitig erzählte Anekdoten aus unserer beidigen Vergangenheit bei Laune, bis wir schließlich am See ankamen, der allerdings nicht so begeisternd war, wie auf der Touristeninformation versprochen: das Wasser war gelb und am Rand lagerte sich dreckiger Schaum ab. Also kehrten wir nach weniger Zeit wieder um, nachdem eine riesige Touristengruppe den Ort belagerte, die von einer übermütigen Öko-Psycho-Tante angeführt wurde. Auf dem Rückweg von mindestens sechs Kilometer Länge, wurden wir und unsere Beine dann immer müder und wir nahmen uns fest vor, ihm Hostel noch ein paar Stunden Schlaf zu finden.

Der Schlaf wurde uns allerdings verwährt, da wir uns auf Grund der Flutzeiten zurück auf den Weg zur Fähre machten mussten, um diese noch rechtzeitig zu erreichen. Wir fuhren einige Zeit, wurden heftig durchgeschüttelt und hätten bei einigen spektakulären Ausweichaktionen um Haaresbreite einige andere Geländewagen angefahren (die Waldwege hatten meist nur eine Spur mit engen Ausweichbuchten). Irgendwann kamen wir aber am kleinen Hafen an und versuchten erstmal einige Zeit unseren Wagen von Vierrad- in Zweirradbetrieb umzustellen, was aufgrund streikender Kupplung aber nicht ganz funkionieren wollte. Schließlich schafften wir dies aber, fuhren auf die Fähre auf und machten uns auf den Rückweg nach ‘Hervey Beach’, zurück zu Eco und zurück von einem wirklich unterhaltsamen dreitägigen Trip, aus dem wir wirklich das Beste rausgeholt hatten.

Sterne für `Fraser Island´: 5/10 - Wir hatten uns irgendwie mehr von der Vielseitigkeit und den Sehenswürdigkeiten der Insel versprochen. Der ‘Lake McKenzie’ war der extrem gut und ist echt zu empfehlen, aber der Rest der Insel hat uns jetzt nicht so ungehauen.

** Edit: Sollte sich irgendjemand wundern, warum wir in dem Artikel von einem dreitägigen Trip gesprochen haben, im Endeffekt im Text aber bereits am zweiten Tag wieder den Rückweg antreten: Das hat den Grund darin, dass wir leider auf Grund unseres nur noch schlechten Langzeiterinnerungsvermögens die Aktivitäten des zweiten und dritten Tages schwer auseinander halten konnten und daher aus Versehen die beiden Tage zu einem zusammengefasst haben. Das ganze Abenteuer liegt aber schließlich auch über einen Monat zurück und wir sind mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt, um den ganzen Artikel noch mal umzuschreiben. Deshalb: Sorry! Wir finden den Artikel aber trotzdem sehr gut gelungen und ansonsten relativ originalgetreu verfasst. **

Abgelegt unter: Beach, Experiences, Natur, Wildlife — Tags:, , — Mike

6 Kommentare »

  1. [...] Fraser Island (Teil 3) - Morgenstund hat Gold im Mund [...]

    Pingback von Planlosunterwegs.de » Fraser Island (Teil 2) – Der schönste See der Welt — 14. November 2008 @ 19:13

  2. Das war aber eine richtige Sambal-Oelek Geschichte.

    Da habt ihr zu eurem Glück noch mehr Glück gehabt

    Kommentar von Angela — 14. November 2008 @ 23:33

  3. Hallo Ihr Planlosen,
    bin schon ganz gespannt auf die Fotos.
    Fahren gleich los nach Braunschweig ,zum Opa.

    Kommentar von Beate — 15. November 2008 @ 16:37

  4. “Hallo Ihr Beiden, viele Grüsse von xxx”

    Kommentar von timm — 17. November 2008 @ 23:53

  5. Ein bisschen kreativer Kommentare, bitte! Ich muss glaube ich keine Namen nennen, Timm!
    Wir geben uns ja schließlich auch Mühe.
    .. und ja, die Postkarten sind (so gut wie) auf dem Weg.

    Im Moment sind wir nur im übelsten Outback, menschenseelenverlassen, außer ein paar Aboriginies, die nicht gerade einen freundlichen Eindruck machen. Und zu unserer Schande müssen wir eingestehen, dass heute schon das erste Känguruh auf Kosten unserer Fahrkünste sein Leben lassen musste. Zudem wurden wir mit gezückter Waffe von einem Polizisten geweckt, nur ohne die Waffe. Also, wir sind voll im Abenteuerland und verbleiben in Gedenken an unseren leider nur wenige Sekunden gekannten Freund: Känguruh-Murphy.

    ..ihr könnt garnicht ahnen, wie sehr der Titel unserer Domain den Nagel auf den Kopf trifft..

    Mike & Jay

    Kommentar von Mike — 19. November 2008 @ 20:28

  6. [...] Hier geht’s zur Fotogallerie >> Hier geht’s zum dritten und letzten Teil Abgelegt unter: Beach, Experiences, Nationalparks, [...]

    Pingback von Planlosunterwegs.de » Fraser Island (Teil 2) – Der schönste See der Welt — 20. Dezember 2008 @ 00:26

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