Nach dem wir bereits vor langer Zeit die Vorbereitungen für Fraser Island gepostet haben, kommen nun endlich unsere wirklichen Erlebnisse auf Fraser Island:
Als wir dann am nächsten Tag tatsächlich schon um kurz nach Acht aufbrachen, um in unserem Sinne pünktlich bei der Autovermietung zu sein, hatten wir gemischte Gefühle was unsere Reisepartner anging. Dass es sich nicht um zwei weibliche Supermodels in den Ferien handelte, hatten wir zwar schon vermutet. Aber da es sich um Backpacker handeln sollte, hofften wir wenigstens und wie bereits gesagt auf gute Saufkumpanen, mit deren Interessen wir uns identifizieren konnten. Nur Mike hatte wenige Minuten vorher eine sehr pessimistische Vorahnung und sagte wie in Trance vor Müdigkeit voraus, dass es sich bei unserem Pech wahrscheinlich um „ein 30-Jähriges, spanisches Pärchen, welches kein Englisch spricht“ handelt. (Und die Zweifel waren berechtigt, denn seit wir unseren Freund Fränk in Sydney zurück gelassen hatten, war unser Glück wirklich recht spärlich gesäht. Wohl ein Fluch der auf uns lastet, da wir einen guten Kameraden zurück gelassen hatten – ich, Jay, war ja von Anfang an dagegen!!.. und ich, Mike, war einfach so realistisch zu sehen, dass Fränk nicht ins Auto gepasst hätte, aber egal. Zurück zum Thema.)
Dass Mike mit seiner Prophezeiung aber genau ins Schwarze getroffen hatte, mussten wir leider wenige Minuten später enttäuscht feststellen. Denn noch später als selbst wir (Respekt dafür!), kamen dann gegen 20 vor neun Paula und Rodek oder Oleg oder so im Foyer von Aussie Trax an (betrffend des Names glauben wir, dass irgendwas in der Richtung sein Name war, waren uns aber bis zum Ende aus Verständnisgründen nicht ganz sicher). Paula kam aus Spanien und lispelte so enorm, dass man keinen ganzen Satz mit ihr reden konnte, ohne noch einmal nachzuhaken: ‘Sorry, what have you said?’. Rodek bzw. Oleg war gebürtiger Pole und sprach allgemein nicht sehr viel. Die beiden waren Ende zwanzig, eigentlich kein richtiges Pärchen, aber enge Freunde und gemeinsam in Australien am Reisen. Paula war definitiv kein Model, aber wir hofften, dass wir in Rodek-Oleg wenigstens einen guten Trinkpartner finden würden; schließlich war er Pole.
Aber trotz dieses Tiefschlags blieben wir optimistisch und während die beiden eine halbe Stunde vor Fährabfahrt erst noch einkaufen mussten, stießen wir um 9.45 Uhr mit einem ersten Bierchen im Geländewagen an. Nachdem der Nachteil einer vier-Mann-Gruppe, nämlich die geringe Wahrscheinlichkeit, dass wir gewünschte Reisepartner finden würden, nach den ersten Minuten bereits auf der Hand lag, zeigte sich beim Verstauen der Einkäufe wenigstens ein erster Vorteil von einer kleineren Gruppe. Denn wir hätten echt nicht gewusst, wie wir bei einem mit zehn Mann und Frau bepackten Auto mit gleicher Wagengröße hätten Platz finden sollen: Allein unsere beiden Reisetaschen, zwei Wäschekörbe voller Essen, eine große Kühlbox mit Bier, unsere Geschirrschüssel, 2 Tüten ‘Barbeque-Flavoured-Crincle-Cut-Potato-Chips’ sowie den beiden kleinen Rucksäcken plus Einkaufstüte von Paula und Rodek-Oleg, nahmen im Toyota Landcruiser so viel Platz ein, dass selbst wir Probleme hatten, bequeme Plätze im hinteren Teil des Autos -selbstverständlich mit viel Beinfreiheit- zu finden (ja, wir hatten definitiv zu viel Gepäck für ein solch kurzes Abenteuer dabei, aber wir wollten uns es einfach nicht nehmen lassen, wenn der Platz einfach zur Verfügung stand; zudem stehen wir auf einfachen Komfort und Luxus -Chips sind gemeint-, wenn möglich).
Nachdem die beiden Mitreisenden ihre Einkäufe eine viertel Stunde vor Fährabfahrt hinter sich gebracht hatten, mussten wir die 30-minütige Strecke zur Fähre im Eiltempo angehen. Aber durch den Bleifuß von Rodek-Oleg und der verspäteten Abfahrt des Schiffes, schafften wir es dann aber doch noch als eines der letzten Autos aufs Boot. Nach der halbstündigen Fährüberfahrt, die uns durch die Sichtung freilebender Delfine versüßt wurde, hatten wir wieder festen bzw. sandigen Boden unter den Füßen. Durch den Regenwald und über eine Buckelpiste, die uns trotz ausreichender Federung des 4WD ordentlich durchschüttelte und es uns teilweise unmöglich machte unser zweites, drittes und viertes Bier zu trinken (aber keine Sorge, wir packten das), fuhren wir dann einige Kilometer ins Landesinnere der Insel, wo uns der berühmte ‘Lake McKenzie’ erwartete.
In einer paradiesischen Atmosphäre mit einem Strand weiß wie Puderzucker und kristallklarem Süßwasser, genossen wir einige Stunden strahlenden Sonnenschein. Zudem war die Location keineswegs überfüllt, trotz der Anwesenheit vieler anderer Backpacker, welche sich mit uns bereits nach gemeinsamer Fährüberfahrt in Karawane zum ‘Lake McKenzie’ gekämpft hatten. Das Erste was wir in Angriff nahmen, war der Sprung ins angenehm kühle Wasser, was wirklich eine perfekte Abwechslung zur hochsommerlichen Hitze war. So schwommen wir erstmal einige Zeit und relaxten anschließend noch eine Weile auf dem fein raffiniertestem Sand, bis wir uns nach anschließender Fotosession auf den Weg Richtung östlicher Küste machten. Wir waren uns übrigens klar darüber einig, dass dies der für uns nahezu perfekteste See war, den wir jemals gesehen hatten - real und auf Bildern! Eine wirklich erlebenswerte Empfehlung für alle, die mal dort in die Nähe kommen.
Nachdem wir dann das erste Mal (und zum Glück nur) kurz steckengeblieben waren und dutzende Autos hinter uns stauten, erreichten wir einen kleinen Strandort mit Kiosk und Bar. Dort mussten wir einige Zeit lang rasten, da die Flutzeiten des Meeres uns das Überqueren des Strandes für etwa zwei Stunden verboten - 4WD dürfen nicht lange durch salziges Wasser fahren (schlecht für das Getriebe und eine zu hohe Gefahr des Steckenbleibens). Na ja, so mussten wir uns die Zeit halt dort irgendwie vertreiben, obwohl wir echt bereuten, dass wir überhaupt vom ‘Lake McKenzie’ weggefahren waren. Wir verbrachten die Zeit damit Fussball zu spielen, hatten aber bald die Idee einige Kokosnüsse von einer Palme zu schiessen. Das Ganze endete natürlich wie es enden musste: der Fussball blieb in einer sehr verzwickten Stelle im Baum hängen und nach erst nach waghalsigen Rettungsaktionen schafften wir es, den Ball wieder vom Baum zu fischen. Der Verlust: zwei kaputte Plastikstühle und ein Wischmob, der nun als weiterer Ast des Baumes fungiert.
Anschließend gaben wir uns noch etwas der Literatur hin (Dan Browns “Da Vinci Code” und James Pattersons “Honeymoon”), bevor es schließlich weiter Richtung ‘Happy Valley’ ging, wo sich unser Nachtquartier befand. Und obwohl das Dorf nur zwei Straßen und geschätzt etwa zwanzig Häuser umfasste, schaffte Rodek-Olek es trotzdem sich zu verfahren und wir mussten bei einem lustig aussehenden Einheimischen nach dem Weg fragen. In dem sehr sauberen und komfortabel eingerichteten ‘Creature Comforts’ kochten wir dann unser Abendessen (natürlich Nudeln) und ließen den Tag schon recht früh mit ein paar Bier ausklingen. Im Verlaufe der Abendstunden lernten wir allerdings noch flüchtig eine holländische Familie kennen, die es sich nicht nehmen ließen, uns über Stunden hinweg, regelmäßig mit ihrem ach-so-leckeren “Käise” zu belagern - dieser stamme aus Holland und sei somit natürlich “der beste Kääse der Welt”. Irgendwann blieb uns nichts anderes übrig als doch ein Stückchen Parmesankäse anzunehmen, obwohl das Anbieten kein Ende fand. Schließlich verließen wir den Küchenbereich, leicht angetrunken und äußerst amüsiert über die Vorurteile bestätigende Käsegeilheit der Holländer, um noch mal einen kurzen Abstecher ins Internet zu machen. Kurz zuvor offenbarten uns unsere Weggefährten allerdings noch, dass sie am nächsten Tag bereits um 6 Uhr Morgens (!) aufstehen und weiterfahren wollten. Und natürlich standen wir vollkommen dahinter die Zeit auf ‘Fraser Island’ möglichst unternehmerisch zu nutzen und uns lag das “Morgenstund”-Sprichwort in den Ohren, aber man konnte auch ganz klar übertreiben. Deshalb sagten wir dazu nur: LÄCHERLICH!


“Hallo Ihr Beiden, viele Grüsse von xxx”
Kommentar von timm — 13. November 2008 @ 23:44
[...] von Planlosunterwegs.de » Fraser Island – Der schönste See der Welt (Tag 1) — 13. November 2008 @ [...]
Pingback von Planlosunterwegs.de » Fraser Island - Die Vorbereitung — 14. November 2008 @ 18:49